Frankie Patella
Whose House? Frankie's House!
Ich werde nicht alt... So singt Hildegard Knef. Frankie Patella hat daraus einen Hit gezaubert, einen unsterblichen. Immer schön unter der Wahrnehmbarkeitsgrenze bleiben. Bürgel Tracks, ein Tape auf brackrecordings, infarkt, Zehnkampf. Perlen der unsichtbaren Clubkultur zwischen Bürgel, Offenbach und Frankfurt, Hiphopdebach wie Triphopdebach. Liveacts im Rotari, im Waggon, in Gudrunsgarten. Ein Großmeister der Gudelaune, immer den Schalk im Nacken.
Irgenwann Mitte der Neunziger Jahre. Wir sind jetzt DJs, das Zentralkomitee der Mulonation hebt sich selbst aus der Taufe. Schon längst auf der Schiene: Das Wildpop Soundsystem. Frankie Patella organisiert einen DJ Battle, unter der Autobahnbrücke in Hausen, in der Buga. Getränke auf Kombi vom ixi, damals noch gegenüber der Music Hall in der Voltastraße. Man einigt sich auf ein klares Unentschieden.
A Typ Called Tüte, Mental Tilo, zwinkerzwinker. Wer hat Offenbach eine Mayday beschert? Wer hat in Handarbeit 50er Auflagen einer selbstgebrannten CD Members of Mayday hergestellt? 20 Jahre lang, bis die Abmahnung der kommerziellen Mayday ins Haus flatterte und die kleine, feine Minisause, dieser Nanorave für Connaisseure, Liebhaber*innen der kleinen, feinen, großen Gesten, beheimatet erst in der Rotarihalle, dann, nach dem Abriss der legendären Fußgängerbrücke in der offenbacher Innenstadt in der Waggonhalle am Main, sich in Mxydxy umbenennen musste, um der berühmten großen Schwester aus der Westfalenhalle nicht die Butter vom Brot zu nehmen.
Die jahrzehntelange Fehde zwischen dem Zentralkomitee der Mulonation und dem Wildpop Soundsystem, der Kampf um die kulturelle Hegemonie war schon längst einer Kooperation gewichen, freundschaflich, voller Respekt, hatte in Frankie einen Battle-erprobten Entertainer auf dem Schlachtfeld, der mit DJ Popgun, Horst Senegal und Bodo Elsel sich mit dem Zentralkomitee der Mulonation die obkursten Acetate um die Ohren drosch, erbarmungslos, doch stets voller Respekt für einen gewagten Mix oder einen gekonnten Stimmungswechsel, der den härtesten Raver*innen Pudding in die Beine zaubern konnte.
Unvergessen ist der DJ-Battle im Tanzhaus West, unser Versuch, kommerziellere Locations zu bespielen, der trotz sechs zahlender Gäste nur deshalb nicht zum finanziellen Fiasko wurde, weil die Veranstalter*innen die Türsteher*innen aus eigener Tasche bezahlt haben. Ein großartiger Abend!
Unvergessen die Rezensionen, die Frankie uns zu unserer ersten Tapeveröffentlichung 1996 auf brackrecordings schrieb, ich zitiere daraus heute noch gerne das Bonmot: Hölzern wie ein guter Beichtstuhl!
Und nun, Frankie, alter Freund, halb Mensch, halb fünf, auf einmal soll es heißen: The Message is... Trauerfeierei, Alter? Das kann nicht angehen! Wir leben weiter, und solange die Musik spielt, wird getanzt! Bei jeder Mxydxy tanzt du mit! Wir sehen uns auf der Großen Afterhour, wenn es soweit ist, und die Tür uns reinlässt!
Tschüss, danke, tschüss!
